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buchen buchen download fotos download fotos presseschau presseschau presseschau Gut gegen Nordwind KuLtour | 27. September 2009 Bleibt die Liebe auf der Strecke? Ute Hoffmann (Bad Ragaz) und Thomas Hassler (Balzers) bringen den Roman «Gut gegen Nordwind» von Daniel Glattauer erstmals auf die Bühne. DieGeschichte handelt von einer Bildschirm-Beziehung, die mit einer falschen E-Mail-Adresse ihren Anfang nimmt. Von Armando Bianco «Gut gegen Nordwind» ist eine schweizerische Erstaufführung des Erfolgsstücks von Daniel Glattauer. Auf die Bühne gebracht wird das romantisch-rasante Stück von Schauspielerin Ute Hoffmann aus Bad Ragaz und Schauspieler Thomas Hassler aus Balzers. Autor Daniel Glattauer schildert in seinem Roman, wie eine falsche E-Mail- Adresse den Auftakt bildet für eine Bildschirm-Beziehung, die allmählich ausser Kontrolle gerät. Ute Hoffmann aus Bad Ragaz und Thomas Hassler aus Balzers stellen in ihrer Umsetzung des Stücks die elektronischen Medien in das Zentrum ihres Handelns. Schliesslich sind die modernen Kommunikationsmittel aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken, seien sie nun Fluch oder Segen. Drumherum setzt sich durch «Gut gegen Nordwind» ist eine Liebesgeschichte moderner Art, die mit den ersten Liebschaften, die man selbst in Erinnerung hat, wenig zu tun hat. Bleibt die Liebe in diesem Stück auf der Strecke? «Die Liebe, also empfundene Gefühle, bleibt überhaupt nicht auf der Strecke, sie hat nur einen anderen Weg, den Online-Weg», sagt Ute Hoffmann. Dann ist es also eine neue Form von Liebesaustausch, an die man gewöhnen wird? «Nein, ich glaube nicht, dass es eine neue Form von Liebesaustausch wird. Ich glaube, Liebesgeschichten mit Hand und Fuss, mit allen Sinnen, mit dem romanatischen Drumherum, werden sich immer durchsetzen.» Die Beziehungskiste im Roman sieht so aus, dass bei Leo Leike irrtümlich E-Mails einer ihm unbekannten Emmi Rothner landen. Aus Höflichkeit antwortet er ihr. Und weil sich Emmi von ihm angezogen fühlt, schreibt sie zurück. Die nahende Frage nach dem ersten Treffen wühlt beide so sehr auf, dass sie die Antwort lieber noch eine Weile hinauszögern und ihre heile virtuelle Welt noch aufrechterhalten. Denn im realen Leben ist Emmi glücklich verheiratet und Leo verdaut gerade eine gescheiterte Beziehung. Ein Wagnis eingegangen Es ist eigentlich erstaunlich, dass trotz ihres rasanten Vormarsches in den Alltag die E-Mail-Kommunikation in der Literatur und auf der Bühne bisher kaum Einfluss genommen hat. Dieses Wagnisses haben sich Ute Hoffmann und Thomas Hassler angenommen. «Unsere Referenz ist der Erfolg und die Aktualität des Buches. Es war monatelang in den Bestsellerlisten; viele sind sehr neugierig, wie so was wohl gespielt werden kann. Der Vorteil, nicht mit anderen verglichen werden zu können, ist auch ein Ansporn für uns, die Messlatte möglichst hoch zu legen.» Auf das Stück gestossen ist Ute Hoffmann – natürlich – im Internet. Gereizt hat sie der Blick hinter die Kulissen der virtuellen Welt. «Viele Menschen erleben soziale Kommunikation intensiv im Internet, auf Facebook beispielsweise. Da wird so viel geschummelt und gelogen, Scheinwelten bauen sich auf.» So stellte sich für Ute Hoffmann bei Liebesgeschichten via E-Mail irgendwann die Frage: Geht man aktiv fremd, wenn man sich dabei nicht sehen und berühren kann? Thomas Hassler ergänzt: «Die Liebe geht oft seltsame Wege. Es gibt keine neue Art. Liebe ist nicht abhängig von online oder sonst was. Die Liebe findet immer ihren Weg, wenn entsprechende Menschen zusammenkommen.» Ute Hoffmann ist in den Jahren 2007 und 2008 sehr erfolgreich mit ihrem tragischkomischen Solostück «Shirley Valentine oder Die Heilige Johanna der Einbauküche » durch den deutschsprachigen Raum getourt. Primarlehrer Thomas Hassler, Mitglied des Theaters Karussell, ist seit 30 Jahren theaterschaffend in Spiel und Regie, unter anderem in vielen Eigenproduktionen des Theaters am Kirchplatz in Schaan. In der Umsetzung des Stücks setzen die beiden auf die Dienste der Melser Theaterregisseurin Romy Forlin. www.taff-theaterproduktion zum Download des Artikels Sarganserländer | Montag, 19. Oktober 2009 Zuerst war das E-Mail Am Wochenende ging die Schweizer Premiere des Theaterstücks «Gut gegen Nordwind» von Daniel Glattauer über die Bühne des Alten Kinos Mels. Von Susan Baumgartner Mels. – Mit Ute Hoffmann als Schauspielerin und Romy Forlin in der Regie waren gleich zwei Sarganserländerinnen mit von der Partie. Unterstützt wurde Ute Hoffmann vom Schauspieler Thomas Hassler aus Balzers. Ute Hoffman wuchs in der Nähe von Stuttgart auf, heute wohnt sie in Bad Ragaz. In der Region ist sie vor allem durch ihre Rolle als «Fräulein Rottenmeier» bei den «Heidi»-Freilichtspielen in Maienfeld bekannt. Schon bei ihrem ersten Bühnen-Solo mit «Shirley Valentine oder die heilige Johanna der Einbauküche» arbeitete Ute Hoffmann unter der Regie von Romy Forlin, wohnhaft in Mels. Die erfolgreiche Zusammenarbeit stellen die beiden nun auch im aktuellen Theaterstück «Gut gegen Nordwind» unter Beweis. Bleibt in dieser Geschichte die Liebe auf der Strecke? «Die Liebe, also empfundene Gefühle, bleibt überhaupt nicht auf der Strecke, sie hat nur einen anderen Weg, den Online-Weg», sagt Ute Hoffmann, und Thomas Hassler ergänzt: «Die Liebe findet immer ihren Weg, wenn entsprechende Menschen zusammenkommen. Realität oder virtuelle Welt? In seinem Roman «Gut gegen Nordwind » erzählt der österreichische Autor Daniel Glattauer von einer Beziehung, die beinahe ausschliesslich aus E-Mails besteht. Emmi Rothner sendet Leo Leike irrtümlicherweise eine E-Mail, und aus Höflichkeit schreibt Leo Leike zurück. Emmi, eine quirlige Frau um die vierzig, denkt jedoch nicht daran, ihm das letzte Wort zu lassen und schreibt wiederum zurück. Verteilt über etwa ein Jahr mailen sich die verheiratete Emmi und Leo, der sich gerade von einer gescheiterten Beziehung erholt. Mit der Zeit freuen, ja sehnen sich die beiden geradezu nach den E-Mails, immer stärker werden die hervorgerufenen Gefühle. Selbst bei Leo Leike, der anfangs nur weiter Kontakt hielt, um seine Studie über die «E-Mail als Transportmittel von Emotionen» gleich selbst testen zu können, entwickeln sich nach und nach Gefühle .Das erste Treffen lockt Doch wie soll eine Beziehung funktionieren, die ausschliesslich in der virtuellen Welt lebt? Die Frage nach dem ersten Treffen wird immer drängender. Werden die echten Personen einer Begegnung mit den Fantasiegestalten standhalten? Leo Leike bezweifelt das, und auch Emmi hat den Verdacht, dass Leo ihr nicht gefallen würde. So wird dieser Gedanke immer wieder verschoben und die Beziehung lebt weiter nur im heilen, virtuellen Raum. Dann endlich: Emmi und Leo verabreden sich an einem Ort, wo sie «verwechselbar» bleiben. Doch vor allem Emmi ist danach enttäuscht: Alle Männer, die in Frage kommen würden, sind absolut nichtssagend! Erst Leo’s Idee, sie könnte ihn einfach übersehen haben, macht ihr wieder Mut. Ein persönliches Treffen scheint möglich. Doch würden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und wo soll das hinführen? Während dieser Zeit reift in Emmi ein Verdacht: Hat Leo sie etwa nur benutzt für seine Studie? Ist sie nur ein Objekt für ihn? Sobald sie ihren Verdacht abgeschickt hat, schämt sie sich dafür, doch ein Rest an Zweifeln bleibt. Will er sie deshalb nie persönlich kennenlernen? Leo relativiert den Verdacht mit der Begründung: «Es gibt keine Steigerung mehr für uns!» Zu allem Überfluss entdeckt Emmi’s Ehemann die Liebes-E-Mails, die Emmi in einer Schachtel aufbewahrt. Er bittet Leo in einer E-Mail, sich mit seiner Frau zu treffen, damit Leo endlich real wird und er um seine Liebe kämpfen kann. Da wird sich Leo bewusst, dass Emmi ihren Mann wahrscheinlich nicht verlassen würde und beendet den Kontakt mit den Worten: «Und abschliessend würde ich vorschlagen, dass wir uns treffen:» Am nächsten Abend soll Emmi zu Leo kommen. Ob Leo vergeblich wartet? Weitere Aufführung geplant Mit etwa 190 Zuschauern können sowohl die Veranstalter wie auch das Schauspielteam zufrieden sein. «Unsere Referenz ist der Erfolg und die Aktualität des Buches. Es war monatelang in den Bestsellerlisten; viele sind sehr neugierig, wie so was wohl gespielt werden kann. Der Vorteil, nicht mit anderen verglichen werden zu können, ist auch ein Ansporn für uns, die Messlatte möglichst hoch zu legen.» Wer die Premiere verpasst hat, kann nächsten Samstag erneut in die faszinierende Welt zwischen Wirklichkeit und virtueller Welt eintauchen. «Gut gegen Nordwind» ist ein Erfolgsrezept: In Schaan ist die Vorstellung vom 4.November bereits jetzt ausverkauft. zum Download des Artikels Liechtensteiner Volksblatt | Montag, 19. Oktober 2009 MELS - «Gut gegen Nordwind» mit Ute Hoffmann und Thomas Hassler unter der Regie von Romy Forlin hatte am Samstag im Alten Kino Mels Premiere. Hoffmann und Hassler erweisen sich in der Produktion einmal mehr als richtig gute Schauspieler. Zwei Menschen geraten per Zufall in E-Mail-Kontakt und verlieben sich ineinander, ohne sich je real zu treffen. Der Plot mag so dünn sein wie er will, ihrem Autor Daniel Glattauer hat die eindimensionale Geschichte von Emmi und Leo einen Riesenerfolg beschert, wohl weil das Thema in der Luft lag und als besonders aktuell gilt. Wie aber soll man das überzeugend auf die Bühne stemmen? In Wien läuft die von Glattauer selbst erstellte Bühnenfassung seit Mai mit grossem Erfolg. Thomas Hassler, Ute Hoffmann und Romy Forlin könnte es gelingen, mit ihrer Version diesen Erfolg in der Schweiz und in Liechtenstein zu wiederholen, denn die Darsteller haben es in intensiver Zusammenarbeit mit der Regisseurin geschafft, das emotionale Potenzial des Textes optimal auszunutzen und eine bewundernswerte Dichte zu erreichen. In «Gut gegen Nordwind» passiert nicht viel, da kommt es schon sehr darauf an, wie man die «E-Mail als Transportmittel von Emotionen», wie der Titel der Studie lautet, an der Leo arbeitet, theatral belebt. Und das ist gut gelungnen. Dass sich die Lebenswirklichkeiten der beiden Protagonisten auf der Bühne ständig überlappen, dass sie dort dieselbe Wohnung und denselben Computer benutzen, ist eine witzige Idee. Allerdings wirkt der auf einem schmalen Stengel ruhende Compi auffallend statisch, und die z. T. etwas plakativen Bildschirmprojektionen sind auf dem welligen Bühnenhintergrund schwer zu lesen. Nicht uninteressant ist bei dem Ganzen, wie auf der Grundlage dieses realistischen Texts durch die räumliche Gemengelage, das Austauschen von real unmöglichen Blicken und das hochemotionale Sprechen im «wirklichen» Leben stumm in die Tastatur geklackter E-Mail-Texte eine ganz neue Art von Künstlichkeit entsteht. Marco Schädlers aus echten Computersounds zusammengesamplete Minimalmusik ist ein prima komödiantischer Kitt, derdem Ablauf mit seinen unzähligen Abgängen Zusammenhalt verleiht, und einige kleine Gags (Hoffmann taucht in einen in die Luft gestäubt Parfümwolke, Hasler baut hastig einen ultrakomplizierten, aber auch ultrahässlichen Krawattenknoten) sind sehr wirkungsvoll und mit gutem Gespür für Komik eingesetzt. Die Vorstellung am 4. November im Schaaner Takino ist übrigens schon ausverkauft. zum Download des Artikels WERDENBERGER & OBERTOGGENBURGER | MONTAG, 26. OKTOBER 2009 Liebesbotschaften per Klick Freitagabend fand im ausverkauften fabriggli die Schweizer Erstaufführung des Theaterstücks «Gut gegen Nordwind» nach dem gleichnamigen Roman von Daniel Glattauer statt. Von Christine Pflüger Buchs. – Das Setup der Geschichte ist schnell erzählt: Die Homepage-Designerin Emmi Rothner schreibt versehentlich an eine falsche E-Mail-Adresse,die einem gewissen Leo Leike gehört. Der Kommunikationsberater und Sprachpsychologe antwortet ihr aus Höflichkeit. Aus Neugier und weil beiden der Schreibstil des anderen gefällt, setzen sie die Kommunikation fort. In der insgesamt zweistündigen Aufführung entführen die beiden Darsteller Ute Hoffmann und Thomas Hassler unter der Regie von Romy Forlin auf mitreissende Art die Zuschauer in die mal ironisch-witzige, mal tiefgehende Gefühlswelt der zwei E-Mail-Schreiber. Nähe via Bildschirm Das tolle Bühnenbild mit gut gewählten Details wird bestimmt von einem in der Mitte thronenden Computer, über den Leo und Emmi miteinander kommunizieren. Beide Schauspieler befinden sich im selben Raum und benutzen dieselben Gegenstände, aber doch entsteht der Eindruck, dass sie sich in zwei unterschiedlichen Welten befinden. Der Bildschirm vom Computer wird an die hintere Wand projiziert, sodass die Zuschauer Teile des Schrift-Verkehrs mitverfolgen können. Dazu gehören dann auch die in Emails oft verwendeten Abkürzungen wie «LOL» (Laugh out loud), «SRY» (Sorry) oder «GN8» (Gute Nacht). Die beiden Schauspieler, die ihre Texte quasi in den Computer hineinsprechen, verstehen es gekonnt, die ständig wechselnden Gefühle glaubhaft und dynamisch zu vermitteln. Leike und Rothner werden geradezu süchtig nach den Mails des anderen. Immer persönlicher In Zeiten der Funkstille quält die Ungeduld. Zwischen Emmi und Leo entwickelt sich eine grosse Nähe und es werden immer persönlichere Details ausgetauscht. Leo Leike berichtet von seiner gescheiterten letzten Beziehung mit Marlene. Emmi wird dadurch zu seiner «Marlene-Verarbeitungs-Therapie». Emmi Rothner gesteht, dass sie verheiratet ist und zwei Kinder hat. Mit den persönlichen Themen verstärken sich die Emotionen. Es gibt Vorwürfe, Verletzungen («verklemmter Verbal-Erotiker») und Eifersucht. Nicht nur einmal fragen sich die Protagonisten,wo diese Kommunikation hinführe und worin der Sinn bestehe. Sollte man sich vielleicht doch von Angesicht zu Angesicht treffen? Traum und Wirklichkeit Emmi und Leo schaffen sich mit ihrem heimlichen E-Mail-Verkehr eine eigene kleine Welt ausserhalb ihres Alltags. Jeder entwickelt nach und nach ein Fantasiebild des Gesprächspartners. Das Aussehen, das Alter, der Klang der Stimme, alles ist unbekannt. In Leos Geist existiert Emmi als virtuelles Traumbild, mit dem er sich zu einem Rendezvous vorm Bildschirm verabredet. Bei einem Glas Wein erhalten die E-Mails schnell eine erotische Note. «Schreiben ist wie Küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist wie küssen mit dem Kopf.» Aber würde eine reale Begegnung dem Fantasiebild standhalten oder allen Reiz zerstören? Das Ende wird an dieser Stelle nicht verraten. Neugierige können die kommenden Aufführungen der professionellen Inszenierung in Mels, Schaan oder auch Gams besuchen. zum Download des Artikels LIECHTENSTEINER VATERLAND | FREITAG, 6. NOVEMBER 2009 Die Macht der Worte Am vergangenen Mittwoch konnte nun auch das liechtensteinische Publikum die vierte Aufführung von «Gut gegen Nordwind» im ausverkauften TaKino erleben. Von Christa Tauern Es war eine Produktion vom «Tafftheater» mit Ute Hoffmann und Thomas Hassler. Sie spielten das Stück von Daniel Glattauer, eine Mischung aus Romantik, virtueller «Beziehungskiste» und psychisch-virtueller Grenzsituation. Die Geschichte begann mit einem Irrtum. Bei Leo Leike (Thomas Hassler) landeten E-Mails von einer ihm unbekannten Frau in seinem Computer, obwohl er eigentlich sehnsüchtig auf eine Nachricht von seiner Exgeliebten Marlene gewartet hatte. Aus Höflichkeit, jedoch frustriert, antwortete er, und die ihm total unbekannte Frau (Ute Hoffmann) schrieb zurück. Mit jeder weiteren Mail kamen sich die beiden näher und es entstand eine tiefe Beziehung, die fast zwangsläufig auf ein persönliches Kennenlernen hinführen musste. Doch beide zögerten dieses Treffen hinaus. Die Frage stand im Raum, ob denn wohl die gesendeten Sympathiebekundungen und später die Liebesschwüre einer persönlichen Begegnung standhalten würden? Wenn ja, was sollte dann geschehen? Emmi lebte nämlich in einer bequemen, bei- nahe glücklichen Ehe und Leo hatte seine ehemalige Geliebte noch immer nicht ganz vergessen. Der dramatische und unweigerliche Höhepunkt des Stückes liess mit einem Treffen der beiden ein Happy End erahnen, das aber durch die Abwesenheit von Emmi und dem frustrierten Kummer von Leo endete. Aus, Schluss, Löschen der E-Mail-Adresse und Ende des Stücks. Die beiden Schauspieler, Ute Hoffmann – zunächst mit einer leicht schrillen, wirbeligen Lebendigkeit, oberflächlich, witzig, brillant – und Thomas Hassler, der eher ruhige, besonnene, E-Mail sortierende Typ, entwickelten während des Stückes eine beachtenswerte charakterliche Entwicklung in einer von Liebe, Sehnsucht und Zweifeln besetzten Online- Tätigkeit. Die technische Lösung, das sparsame Bühnenbild sowie die aussergewöhnliche Präsenz während der etwa zweistündigen Aufführung, entsprachen einer professionellen Aufführung, die eigentlich wegen des grossen Andrangs ins TaK gehört hätte. zum Download des Artikels Appenzeller Volksfreund | Dienstag, 3. November 2009 Auch Emails transportieren Gefühle In der Kulturgaststätte «Drei Eidgenossen» fieberte das Publikum in einer Internet-Liebesgeschichte mit Ute Hoffmann war vor knapp zwei Jahren die unbestrittene Königin der Einbauküche, nun spielte sie im längst ausverkauften Kulturlokal «Drei Eidgenossen» am Landsgemeindeplatz von Appenzell zusammen mit Thomas Hassler die Internet-Romanze «Gut gegen Nordwind» von Daniel Glattauer nach. Monica Dörig Einen Roman, der einzig aus der Email-Kommunikation zweier fremder, zufällig vernetzter Internet-Nutzern besteht, als Bühnenversion zu inszenieren, ist eine rechte Herausforderung. Zumal im «Drei Eidgenossen» von Bühne nicht einmal die Rede sein kann. Die gut dreissig Gäste haben mehrheitlich vor der Vorstellung an den Tischen fein zu Abend gegessen. Dazwischen haben Ute Hoffmann und Thomas Hassler (die beide im Rheintal daheim sind) ihre Kulisse aus Büroschrank, Hocker, Laptop und Leinwand aufgebaut. Auf diesen geschätzten drei Quadratmetern nahm am Freitagabend eine Liebesgeschichte wie eine Berg- und Talfahrt ihren Lauf. Geteiltes Leid, geteilte Freud Das beherrscht die Schauspielerin Ute Hoffmann so wunderbar: Sie kann alles innert Minuten zeigen. Aufmüpfigkeit, Eifersucht, überschäumende Freude, Verzweiflung, Glückseligkeit. Für die Rolle der Emmi Rothner, die im Internet mit Leo Leike anbandelt, hat sie genau die richtige Art von geschliffenem Mundwerk und Temperament. Die Figur Emmi Rothner ist Schnellschreiberin, die Darstellerin Ute Hoffmann Schnellsprecherin. Leo Leike (Thomas Hassler) ist daneben der Bedächtige, Vorsichtige, Verletzliche. Nur wenn er zu tief ins Glas geschaut hat, lässt er sich und seine Gefühle gehen. Das war köstlich anzusehen. Überhaupt: Das Publikum hat sich sehr amüsiert über die unterschiedlichen Gefühlslagen und Seelenzustände der beiden Figuren, die sich schriftlich in einander verlieben; es fieberte, litt und freute sich mit. Emmi Rothner hantiert mit einem herrlichen Fundus an ausgefallenen Damenschuhen, Leo Leike katalogisiert die Emailkorrespondenz zu Forschungszwecken, locht und heftet ab, bis es ihn hoffnungslos erwischt hat. Die beiden erbringen den Beweis: Emails transportieren auch Gefühle. Gut gegen Alltag Viele mögen schon davon geträumt habe, manche haben sogar etwas ähnliches schon erlebt: Mit einer Person, die man kaum oder gar nicht kennt, entspinnen sich im Internet Gespräche und plötzlich ist man dem Online-Freund so nah, dass man glaubt er könnte die Erfüllung aller Träume sein. Die aufgewühlten Emotionen helfen wundersam gegen Alltagfrust und Einsamkeit, gegen Routine und eben auch gegen Nordwind. Regisseurin Romy Forlin hat das Stück meist temporeich inszeniert. Höhepunkte sind die spätnächtlichen Szenen, in denen das Paar virtuell miteinander feiert, virtuelle Küsse austauscht, wenn Emmi wie ein überdrehter Backfisch vor dem Computer tanzt, wenn Leo in Weinseligkeit schwelgt, wenn Emmi sich lasziv räkelnd von Leo träumt, wenn beide nach einem anonymen Date sich hysterisch im Internet wieder finden. Und der Showdown! Leo packt panisch den Koffer und Emmi stapelt manisch ihre bunten Schachteln. Nur wenige Momente sind eingebrochen, was vielleicht auch mit den räumlichen Umständen zu tun hatte. Diese Augenblicke fühlten sich aber genauso beklemmend an, wie wenn man auf das ersehnte Mail wartet. Internet in der Nebenrolle Der Roman «Gut gegen Nordwind » von Daniel Glattauer trifft die Sehnsucht nach Romantik im digitalisierten Zeitalter. Aber er serviert kein Happy End. Leo Leike löscht seine Adresse und verreist nach Übersee. Inzwischen gibt es verschiedene Bühnenfassungen der Geschichte. Romy Forlin, Ute Hoffmann und Thomas Hassler haben sich an derjenigen orientiert, die von Verlag und Autor herausgegeben wurde. Sie haben das Skript für ihre Darstellung auf kleinstem Raum angepasst und tingeln damit als erste durch Schweizer (Klein)Theater. Die Inszenierung ist geschickt. Auf der Leinwand bekommt das Internet die dritte Rolle. Die üblichen international verständlichen Symbole sind dort abzulesen, aber auch Worte, Bilder und Piktogramme als Wegweiser im Gefühlschaos. Auch der Soundtrack kommt aus dem Computer: Das sehnsüchtig erwartete «Bling» das den Posteingang ankündigt, synthetisch wabernde Einfaltsmelodien. Daniel Glattauer hat übrigens eine Fortsetzung geschrieben. Emmi Rothner und Leo Leike mailen wieder, im Buch «Alle sieben Wellen». zum Download des Artikels Oberbaselbieter Zeitung | Donnerstag, 21. Januar 2010 Süchtig nach Mails «Gut gegen Nordwind» in der Kantonsbibliothek gp. «Re: AW: Re: AW: Re: AW: Re: AW:» – wir alle kennen solche Betreffzeilen. Sie sind nur ein Ergebnis der Tatsache, dass man heute nahezu 24 Stunden am Tag online ist und mittels Tastatur ab und zu unverbindlich Beziehungen einlullend eingeht, welche dann per Mausklick «gelöscht» werden können ... oder auch nicht? Donnerstagabend fand in der voll besetzten Kantonsbibliothek Liestal die Aufführung «Gut gegen Nordwind» nach dem gleichnamigen Roman von Daniel Glattnauer statt. Die Inszenierung war ein Stück erlebte Realität. Auf der Leinwand die penetrante Mailbox. Auch die sehnsüchtigen Einfallsmelodien, welche durch «Bling!» den Posteingang ankündigten, erinnerten ununterbrochen an die eigene Mailbox. Symbole, aber auch Worte, Bilder und Piktogramme als Wegweiser im Gefühlschaos waren nach jedem «Bling!» zu entnehmen. Dem Publikum führten Ute Hoffmann und Thomas Hassler als lebende Mails vor, dass die Mail längst zum Flirtwerkzeug und zum Ehebruch gehört. Durch einen Adressatfehler sind zwei Personen, ohne Hintergedanken anfänglich, hineingekippt: Emmi Rothner und Leo Leike heissen sie. Für die Rolle der Emmi hat Ute Hoffmann mit Bravour erwiesen, dass sie das richtige geschliffene Mundwerk hat. Innert Sekunden gelang es ihr dem Unbekannten Leo Interesse, Eifersucht, überschäumende Freude, Verzweiflung, Glückseligkeit, Sensualität und Erotik, wohlgemerkt nur per Mail, spüren zu lassen. Worte als reale Anhaltspunkte und dazu ein gehöriges Mass an Wunschvorstellungskraft verwandelten sich im Nu zum fruchtbaren Nährboden für die gegenseitige Verliebtheit. Ihr Bühnenpartner Thomas Hassler als Leo war neben ihr zwar der Zurückhaltende, Vorsichtige und eine echte Mimose, aber er zeigte sich als gekonntes Auffangbecken für die Gefühlsschwankungen von Emmi und als Pendant zum emotionalem Manko in ihrer Ehe. Und so erfährt das Publikum, dass es um einen Mann und eine Frau Mitte Dreissig geht, die sich über rund 220 Seiten E-Mails schreiben, dabei auf Wolke sieben schweben, um dann sich gründlich zu zerfleischen. Den Schauspielern gelingt ein Rausch, der an Intensität seinesgleichen sucht, und selbst wenn einem das selbstbezügliche Sehnen und Doch-Nicht-Zueinander-Finden bisweilen auf die Nerven geht, ertappt man sich mitunter dabei, wie das Herz stark mitklopft von Mail zu Mail, weil man wissen will, wie es mit Emmi und mit Leo weitergeht. Das Publikum amüsierte sich köstlich über die unterschiedlichen Gefühlslagen und Seelenzustände der angeblich glücklich verheirateten Emmi und des Marlene trauernden Sprachpsychologen Leo. Während der Mailkorrespondenz hantiert Emmi mit ausgefallenen Damenschuhen. Leo katalogisiert die Mailkorrespondenz anfänglich zu Forschungszwecken, bis es ihn hoffnungslos erwischt hat. Das Publikum spürte am eigenen Leibe die tiefe Sehnsucht nach dieser Liebe und Romantik im digitalisierten Raum. Dennoch servieren Emmi und Leo kein Happy End. Leo, enttäuscht, dass Emmi nicht zum Treffen bei ihm eintrifft, löscht resigniert seine Adresse, verreist nach Boston und lässt das Publikum mit einem fragenden Nachgeschmack … im Café der Kantonsbibliothek zurück. zum Download des Artikels Toggenburger Tagblatt | Montag 2. August 2010 Eine Liebe, die keine echte ist Das Fazit, das der Schreibende am Ende des im Zeltainer aufgeführten Theaterstücks « Gut gegen Nordwind » für sich zieht, könnte die Zeile aus einem Lied des Schmalz- Sängers Xavier Naidoo sein. Aus der analytischen Warte der zwischenmenschliche Kommunikation betrachtet ist das Theaterstück von Daniel Glattauer, das auf seinem Bestseller basiert, hochinteressant. Da werden einem kommunikative Muster aufgetischt, die im Studium der Kommunikationswissenschaften behandelte Phänomene wachrufen. Auf emotionaler Ebene ist das Stück schlicht ergreifend. Mehrmals ertappt sich der Schreibende beim Hineinmogeln in Thomas Hassler Rolle des Leo Leike, was ihn ganz entzückt sein lässt. Selbstverliebtheit wird Liebe Leo Leike erhält irrtümlicherweise E-Mails von Emmi Rothner, gespielt von Ute Hoffmann. Sie will eigentlich nur ein Abonnement künden. Als sich Leike, ein Professor für Kommunikationspsychologie, mit Wortwitz gegen die unerwünschte, elektronische Post zur Wehr setzt, beginnt eine kleine Zankerei. Frei nach dem Motto «Was sich liebt, das neckt sich» wird aus dem der Selbstverliebheit geschuldeten Nicht-Aufgeben-Wollen Interesse. Aus Interesse für das Gegenüber, das einem das Wasser reichen kann, wird Respekt. Daraus entwickelt sich der Gedanke fremdzugehen – dank der unverfänglichen Aura, die das Medium umgibt. Emmi Rothner treibt der fehlende Pfeffer in ihrer angeblich glücklichen Ehe an. Leo Leike sieht in der virtuellen Beziehung eine Möglichkeit, sich an seiner Flamme zu rächen, die ihn sitzen liess. Allerdings erweist sich Leo als Hasenfuss, als ihn Emmi treffen will. Am Ende sind zwar beide ineinander verliebt, die virtuelle Liebe scheitert aber bevor sie real wird: Da sind die Selbstzweifel, ob man sich attraktiv findet. Da ist die Anonymität des Internets als Rückzugsgebiet. Und da sind die Vorurteile und Missverständnisse, die sich zum Selbstschutz vorschieben lassen. Mitdenken und Mitfühlen Das gut gespielte Stück regt zum Mitdenken und Mitfühlen an. Bleibt zu hoffen, dass sich die Zuschauerinnen und Zuschauer nun nicht selbst in so ein virtuelles Liebesdrama stürzen. Wobei, vielleicht wäre das gar nicht einmal so verkehrt. Medienkompetenz und lieben lernt man – Glückspilze und Hasenfüsse ausgenommen – auf dieselbe Art und Weise, wie Kleinkinder das Laufen lernen: durch etliche Fehlversuche. MatthiasGiger zum Download des Artikels |